Karl Geigers

WWG Wintersportblog  

Heimspiel mit Herausforderung

von Karl Geiger

Wir stehen vor dem Weltcupwochenende im Schwarzwald und ich freue mich darauf aus mehreren Gründen. Zum einen mag ich die Schanze sehr bzw. liebe die Herausforderung, die mit der Anlage in Titisee-Neustadt verbunden ist, andererseits haben wir unsere deutschen Anhänger geballt hinter uns, was immer ein paar Meter weiter trägt und natürlich merkt man, dass ein unglaublicher Enthusiasmus bei den Menschen im Schwarzwald herrscht, was die nordischen Skissportarten anbelangt. Insofern ist es ein echtes Heimspiel mit hohem Wohlfühlfaktor für uns deutsche Springer.

Ja, die Schanze in Titisee ist eine echte Herausforderung und ich gebe zu, dass diese mir schon mehrfach den Zahn gezogen hat. Sie hat einen steilen Anlauf mit einer Naturspur, was im Weltcup eher selten geworden ist; sie hat einen scharfen Radius und man muss sich wirklich gut konzentrieren, um ausbalanciert zur Schanzenkante zu kommen und den Druck sauber anzubringen.

Aber dann, wenn man alles gut hingebracht hat, ja dann kommt man wunderbar ins Gleiten. In Titisee steht eine Fliegerschanze und für mich nach der letzten Saison auch eine Siegerschanze, nachdem mir ein Doppelsieg geglückt war.  Nach diesem Coup ist Titisee auf jeden Fall kein „Angst Ort“ mehr, aber immer noch ein Ort, vor dem man Respekt haben sollte und an dem nach wie vor notwendig ist, dass man „seine sieben Sachen“ beieinanderhat.

Wie es bei einem richtigen Heimspiel eben der Fall ist, haben wir im Schwarzwald letzte Woche eifrig auf der Schanze trainiert. Der Rucksack ist derzeit voller Hausaufgaben. Die Punkte, an denen zu arbeiten ist, sind bekannt und es geht Stück für Stück in die richtige Richtung. Die große Kunst in unserm Sport ist es, die Vorgänge zu automatisieren bzw. die Automatisierung vorhandener Fehler aus dem Programm zu löschen. Dies gelingt immer nur in kleinen Schritten. In diesem Prozess bin ich gegenwärtig und da ist die Schanze in Titisee erst recht als Herausforderung zu sehen.

Aber die Heimschanze kommt vielleicht zur richtigen Zeit, weil von ihr vor dem Hintergrund des letztjährigen Erfolgs und der Verbindung mit dem heimischen Publikum eine mentale Stärkung ausgehen kann, die auch etwas bewirkt. Ich wünsche mir, dass der berühmte Funke überspringt und dass das Heimszenario dazu führt, dass gut Leistungen abgerufen werden können.

Die Wettervorhersagen haben das vorausgesagt, was wir Wintersportler uns am meisten wünschen und was für die Zuschauer einen stimmungsvollen Rahmen bringt: Schnee!

Ich freue mich auf Titisee!

 

Herzliche Grüße

Karl